Paul Watzlawick (vermutlich).
Das wirksamste – und zugleich am stärksten verdrängte – Muster unserer Gegenwart ist:
Nicht, weil es zu schwierig wäre, sie zu erkennen,
sondern weil es zu viel infrage stellen würde:
unsere Gewissheiten, unsere Rollen, unser Recht zu urteilen.
Wo diese Blindheit wirkt, entstehen Ideologien.
Aus Ideologien werden Fronten.
Aus Fronten wird Gewalt.
Das zeigt sich fast überall:
Es wirkt fast wie eine stille Übereinkunft, das Entscheidende nicht zu benennen – als wäre es gefährlich, oder eine Art pubertäre Schamhaftigkeit, sich selbst zu sehen.
„Schau dich selbst an. Du bist Teil des Problems.“ – W. Shakespeare
Doch genau dort beginnt etwas Neues.
Nicht aus Schuld, sondern aus Verantwortung.
Solange wir unsere Wahrnehmungsfilter nicht erkennen, versuchen wir Konflikte mit denselben Denkmustern zu lösen, die sie überhaupt erst erzeugt haben.
Was es braucht, sind neue Einsichten in die Struktur unseres Denkens und in seine Wirkungen:
Der Weg dahin ist überraschend einfach und zugleich fundamental:
In diesem Raum – frei vom ständigen Ich-Blick – entsteht Kreativität. Hier wird Neues möglich, ohne am Alten festzuhalten:
Zwei Atemzüge. Nicht eingreifen.
Was läuft da gerade? Gedanken, Kommentare, alte Muster – Oberfläche.
Egal, was auftaucht:
Gedanken, Stress, alte Sätze – alles mit jedem Ausatmen abfließen lassen wie warmes Wasser über die Hände.
Erstaunlich, wie viel Kram da kommt.
Noch erstaunlicher, wie viel davon gar nicht mehr zu dir passt.
Zwischen zwei Gedanken ist es regelmäßig still. Dieser kleine Raum ist smarter als jedes mentale Drama.
Nicht als neuer Mensch.
Nur als jemand, der sein eigenes mentales System einen Moment lang gesehen hat.
Wenn die Wirkung dieser einfachen Übung breiter bekannt wäre, würden wir
Das ist keine neue Lebensphilosophie. Es ist schlicht die vergessene Fähigkeit, von innen so aufzuräumen wie im Außen.
Ein kleiner Schritt – aber er verändert die Art, wie wir denken, fühlen und entscheiden. Und er macht es möglich, Zukunft gemeinsam neu zu denken statt uns mit alten neu lackierten Mustern weiter zu nerven. Es ist nichts Spektakuläres geschehen – und doch sieht die Welt danach anders aus.
wenn diese Zusammenhänge allgemein bekannter wären:
…dann hätte das ein paar ziemlich konkrete Folgen.
Menschen würden Gedanken und Impulse weniger automatisch glauben.
Nicht jeder innere Satz wäre gleich „die Wahrheit“, sondern eher: „Ah, altes Programm, kenn ich.“
Spontane Überreaktionen („ausrasten“, „komplett zumachen“) würden eher als Systemfehler erkannt – und nicht sofort moralisch aufgeladen.
Der Schritt „erst ausatmen, dann handeln“ würde normaler werden. Das klingt banal, ist aber in Beziehungen, Familien, Teams enorm.
Man würde deutlicher sehen:
– zumindest bei einem Teil der Leute.
So wie Zähneputzen:
Ein kurzer „innerer Reset“ am Tag wäre irgendwann Alltagspraxis, kein „Special-Interest-Spiritualität“.
Stress, Überforderung, Dauerspannung würden nicht sofort verschwinden, aber:
Es gäbe frühere Warnsignale („mein System läuft heiß“), und einfache Werkzeuge dagegen (Atmen, Abfließenlassen, Etikettieren von alten Programmen).
Das würde langfristig auch körperliche Folgen haben (Schlaf, Verdauung, Nerven – alles hängt dran).
Kinder würden früh lernen:
Das würde nicht bedeuten, Gefühle wegzudrücken, sondern:
Gefühle wahrnehmen, ohne dass sie sofort das ganze System übernehmen.
Im besten Fall: weniger Mobbing, weniger Beschämungskultur, mehr Fähigkeit, eigene Impulse zu halten.
Führung und Teams würden begreifen:
Manche „Sachprobleme“ sind Systemprobleme im Kopf – alte Muster von Kontrolle, Angst, Konkurrenz.
Der Satz „lass uns erst klären, was hier innerlich losläuft“ könnte ein legitimer Teil von Meetings werden – nicht esoterisch, sondern effizient.
Entscheidungen würden weniger aus Panik und Imageangst entstehen und mehr aus einem klareren inneren Stand.
Eine Kultur, die ständig Außenpflege betreibt (Körper, Marke, Status, Oberfläche), würde allmählich merken:
„Es ist absurd, alles zu cleanen – nur nicht die Art, wie wir wahrnehmen und reagieren.“
Das könnte:
Konsumdruck leicht relativieren
Ablenkung als das entlarven, was sie oft ist:
ein Schutz vor innerem Aufräumen.
Und vielleicht würde der Satz „Ich muss mal in mir aufräumen“ irgendwann nicht mehr komisch klingen, sondern normal.
Wir sind nicht naiv:
Der Markt würde das Thema garantiert kapern:
Apps, Produkte, Kurse, die versprechen: „Neues Betriebssystem in 7 Tagen“.
Außerdem bestünde die Gefahr, dass man Strukturprobleme individualisiert:
„Du bist gestresst? Dann räum halt besser in dir auf“ – statt Arbeitsbedingungen, Armut, Gewalt etc. anzuschauen.
Oder es entsteht eine neue Moral:
„Wer innerlich nicht aufgeräumt ist, ist selbst schuld.“
Dagegen müsste man bewusst halten:
Es ist ein Angebot, kein Maßstab für Wert.
Wenn dieser Zusammenhang wirklich breiter verstanden würde, könnte sich langsam eine Kultur entwickeln, in der:
Genau da setzt unsere Arbeit an, diese Lücke sichtbar machen – ohne Pathos, ohne Überhöhung, wie jemand der sagt: