"Wo die Begriffe nicht stimmen,
geraten Denken und Handeln in Unordnung." Laozi

Kultur ist die Art und Weise, wie wir unser Zusammenleben organisieren. Sie ist das Organ einer Gesellschaft – ihre Fähigkeit, Konflikte auszuhandeln und Zukunft zu gestalten. Genau diese Ebene fehlt heute fast überall.

Programme in Soziokultur, Subkultur und Hochkultur kreisen überwiegend um Events und Angebote. Der ökonomische Druck zwingt alle dazu, ständig etwas zu produzieren, das möglichst Publikum bringt.

Damit entsteht ein blinder Fleck mit weitreichenden Folgen. Diese Leerstelle ist kein Detail, sondern eine Ursache vieler heutiger Blockaden.

Wer „Zugang zu Kultur“ fordert, mag gute Motive haben. Doch aus der Sicht, dass Kultur den ‚Lebenszusammenhang‘ abbildet, ist diese Forderung Teil des Problems und im Kern elitär. Sie verschleiert, dass Kultur das ist, wie wir mit uns selbst umgehen. Niemand muss irgendwo „hingebracht“ werden oder „Zugang“ erhalten – jeder Mensch ist bereits Teil davon. Gravierend ist dabei aber, dass der Satz von der Verantwortung ablenkt, wie wir diesen Zusammenhang gemeinsamen gestalten.

Das westliche System legt sich gerade offen: Die lange einseitige Betonung des Materiellen und die Verdrängung des Nichtmateriellen in den Bereich der Religion hatte Folgen:

  • Über Jahrhunderte hielten Religionen Gesellschaften zusammen. Nach ihrem Zusammenbruch wurde Konsum zur neuen Zombiereligion: Reize ohne Orientierung, Ablenkung ohne Klärung, Betäubung statt Einsicht. Und weil die Begriffe unklar geblieben sind, merken wir nicht, dass wir uns damit selbst Blindstellen.

  • So korrumpieren sich immer mehr Lebensbereiche und der gesellschaftliche Druck steigt. Selbst scheinbar vorbildliche Demokratien nehmen zunehmend mafiöse Strukturen an.

Wenn Kulturarbeit ihre verbindende und klärende Funktion erfüllen soll, braucht es eine Rückbesinnung auf die zentrale Funktion der Wahrnehmung, auf die Art, wie wir innerlich anwesend sind, bevor wir urteilen, handeln oder gestalten.