Offener Brief an Kulturengagierte, Medienmitarbeiter:innen und Politiker:innen
Sehr geehrte Damen und Herren,
Kultur war einmal das Wort für das, was uns verbindet – für die Art, wie wir miteinander leben, denken, uns erinnern und lernen, wie wir Zukunft gestalten. Wer heute „Kultur“ sagt, meint meist „Kunst“. So hat sich mit der Zeit ein gemeinschaftlicher Begriff verwandelt.
Diese Verschiebung ist keine Kleinigkeit. Sie hat dazu geführt, dass das Verständnis von Kultur als sozialem und geistigem Miteinander – also als Fähigkeit, Konflikte zu verhandeln und Zukunft gemeinsam zu gestalten – zunehmend in den Hintergrund gerückt ist.
Die Folgen davon sind auch in Freiburg sichtbar. Die Vielfalt der Inszenierungen kann nicht darüber hinwegtäuschen: Gemeinsinn schwindet, Vertrauen bröckelt, das Publikum fragmentiert. Was früher verbindend wirkte, zerfällt heute in Szenen, Subgenres und Zielgruppen. Im Kampf um Aufmerksamkeit und Besucher steigen Technik- und Produktionskosten, Eintrittspreise ebenso. Wer da nicht mithalten kann, wird ausgegrenzt. Das eigentliche Ziel – das Miteinander zu stärken – wird an den Rand gedrängt.
Das Fernbleiben vieler Bürgerinnen und Bürger von den offiziellen Angeboten ist kein Zeichen von Gleichgültigkeit, sondern eine stille Antwort: Diese Form von Kultur erreicht ihr Leben nicht mehr.
Künstler und Kulturarbeiter spielen in diesem Prozess eine wichtige Rolle – nicht als Repräsentanten einer Nische, sondern als Begleiter einer gemeinsamen Suche:
Wie lässt sich das Kulturelle wieder sichtbar machen?
Dies ist kein Appell gegen Popularität oder künstlerische Freiheit, sondern ein Aufruf zu Balance und Weitsicht.
Damit Kunst ihr volles Potenzial entfalten kann, braucht sie ein Umfeld, das auf Begegnung, Vertrauen und Teilhabe gründet – eine Kulturpolitik, die das Gemeinsame stärkt, nicht nur das Sichtbare.
Politik, Medien, Institutionen und Kulturschaffende sind aufgerufen, diesen Wandel aktiv mitzugestalten. Setzen Sie ein Zeichen für eine verbindende Kultur, die Menschen zusammenführt statt sie zu trennen.
Kultur ist kein Luxus – sie ist Überlebenskunst.